Die EUDR (EU-Entwaldungsverordnung) schreibt die Offenlegung von Geodaten über den Ursprung von Rohstoffen beim Import in die EU vor. Eine entscheidende Voraussetzung dafür ist die Rückverfolgbarkeit der Lieferkette. Das bedeutet, dass für jeden importierten Rohstoff nachgewiesen werden muss, woher er stammt – und dass die jeweilige Herkunft nicht von Entwaldung betroffen ist.
In vielen Regionen stammen Rohstoffe aus kleinbäuerlichen Betrieben, insbesondere in der Möbelproduktion auf Basis landwirtschaftlicher Nebenprodukte wie Mangoholz. Lokale Gegebenheiten, die in der EU vielleicht unbekannt sind, spielen hier eine große Rolle: Mangobäume wachsen in Indien vor allem auf kleinen Plantagen und privaten Grundstücken. Auch Akazie, Sheesham oder Teak stammt häufig aus derartigen Anbaugebieten.
Welche Lösungsansätze ergeben sich aus dieser Situation, insbesondere mit Blick auf das Inkrafttreten der EUDR am 30. Dezember 2024?
Die Verordnung hebt risikomindernd Maßnahmen hervor, darunter „die Unterstützung der Einhaltung dieser Verordnung durch ihre Lieferanten, insbesondere Kleinbauern, durch Schulungen und Investitionen, die darauf abzielen, den Zugang der Kleinbauern zu relevanten Informationen über die Einhaltungsanforderungen und -verfahren dieser Verordnung zu verbessern“ (EUDR, Art. 10 (2)(p)).
Anerkennung der Rolle der Kleinbauern
Die Verordnung betont ausdrücklich die Anerkennung und Stärkung der Rolle und Rechte von Kleinbauern und Kleinstunternehmen in den Erzeugerländern. Darüber hinaus erwähnt sie Partnerprogramme, die die Möglichkeiten der Kleinbauern erweitern und durch verbesserte Infrastruktur und Technologie praktischen Nutzen bieten sollen.
Dies sind aber erstmal nur "schöne Worte", denn bis entsprechende Programme geplant und umgesetzt sind, werden Kleinbauern vermutlich längst aus den Lieferketten verschwunden sein - weil sie auf Grundlage der EUDR ein hohes Risiko darstellen, sofern derartige Herkünfte nicht bis zum Grundstück zurückverfolgt werden können.
Erschwerend kommt hinzu, dass in Indien derartiges Holz überlicherweise auf lokalen Märkten verkauft wird, wo niemanden die Herkunft interessiert. Entsprechend werden auch keine (Geo-) Daten weitergegeben.
Im Sinne der "Risikologik" kann man bei aus landwirtschaftlichen Strukturen stammenden Holz ein Entwaldungsrisiko ausschließen - die Flächen sind bereits entwaldet. Es ist wie bereits bei der EUTR (EU Timber Regulation) sehr schade, dass es in der Verordnung nicht vorgesehen ist, eine Risikobewertung allein auf Grundlage der Baumart durchzuführen. Das würde den Kleinbauern in den Lieferketten von Mango, Sheesham, Akazie und Gummibaum mehr helfen, als mögliche EU Programme.
Die Rolle von supplycanvas und Zukunftsausblick
Software wie supplycanvas bietet eine einfache und kostenlose Lösung für Lieferanten an, die Weitergabe von Geodaten erfordert jedoch einen grundlegenden Wandel in den lokalen Geschäftspraktiken. supplycanvas ist bestrebt, diesen Wandel zu erleichtern, indem sowohl Importeuren als auch Exporteuren praktische, technologiegestützte Instrumente zur Verfügung gestellt werden. Eine durchgängige Umstellung und Weitergabe von Herkunftsinformationen entlang der gesamten Lieferkette erfordert jedoch mindestens einen langen Atem.
Dringlichkeit von Partnerprogrammen
Insbesondere bei den genannten Holzarten sind die in der Verordnung skizzierten Partnerprogramme, unabhängig von ihrer konkreten Ausgestaltung, unbestreitbar entscheidend und müssen dringend vorangetrieben werden. Mit den üblichen Workshops und Weiterbildung allein wird es nicht getan sein.