Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) zielt darauf ab, sicherzustellen, dass in der EU gehandelte oder aus der EU exportierte Rohstoffe und daraus hergestellte Produkte nicht zur Entwaldung beitragen. Die Verordnung betrifft Holz, Papier, Soja, Palmöl, Kautschuk, Rindfleisch und Kakao. Inverkehrbringer mĂŒssen nachweisen, dass ihre Produkte nicht von entwaldeten FlĂ€chen stammen. Obwohl ursprĂŒnglich fĂŒr den 30. Dezember 2024 geplant, wurde die Frist erneut verschoben â nun voraussichtlich auf den 30. Juni 2026 fĂŒr groĂe Inverkehrbringer und den 30. Dezember 2026 fĂŒr KMU.
Die erneute Verschiebung der EUDR war notwendig, weil wesentliche Instrumente â insbesondere das zentrale IT-System fĂŒr den Austausch von SorgfaltserklĂ€rungen (DDS) sowie das LĂ€nder-Benchmarking â noch nicht betriebsbereit waren. Auch die Mitgliedstaaten waren unterschiedlich vorbereitet.
Gesellschaftlicher und politischer Auftrag fĂŒr verantwortungsvolle Beschaffung
Kritiker warnen, dass die erneute Verschiebung der EUDR den politischen Willen untergrabe und WaldflÀchen koste. Im Jahr 2024 gingen weltweit rund 8,1 Millionen Hektar Wald verloren, davon mehr als die HÀlfte in den Tropen (Quelle: WRI). Der Zusammenhang zwischen internationalen Lieferketten und Entwaldung ist wissenschaftlich belegt und gesellschaftlich anerkannt.
Vor diesem Hintergrund wĂ€chst der Druck auf Unternehmen, sich trotz der Verzögerung schnell vorzubereiten â denn die Kernpflichten der EUDR gelten weiterhin fĂŒr Holz und holzbasierte Produkte, die in der EU verkauft werden. Und EinkĂ€ufer warten nicht auf politische ZeitplĂ€ne.
Politisch ist ein Balanceakt gefordert. Parteien und Parlamente sind dringend aufgerufen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die sicherstellen, dass die europÀische Wirtschaft regulatorische Ambitionen aufrechterhÀlt, ohne die WÀlder und Gemeinschaften in den HerkunftslÀndern aus den Augen zu verlieren.
Die EUDR hat inhaltlich gravierende SchwÀchen
So sinnvoll all diese Anforderungen auch sind, ihre praktische Umsetzung steht vor erheblichen Hindernissen, insbesondere fĂŒr kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Zwei Beispiele illustrieren dies:
1. Die Pflicht zur Weitergabe von Registrierungsnummern entlang der gesamten Handels- und Lieferkette â ohne dass diese Nummern selbst zusĂ€tzliche Informationen ĂŒber die Herkunft der Rohstoffe liefern. Dies fĂŒhrt zu einem enormen bĂŒrokratischen Aufwand bei gleichzeitig geringem praktischen Nutzen.
2. Extrem anspruchsvolle Anforderungen an die Erhebung von Geodaten (z. B. Polygondaten auf GrundstĂŒcksebene) werden gestellt. Solche Daten sind jedoch oft nicht verfĂŒgbar, nicht zugĂ€nglich oder â insbesondere bei gemischten oder gebatchten Produkten â technisch nur schwer zuordenbar.
Hinzu kommen zahlreiche technische Barrieren: Viele Unternehmen, insbesondere KMU, verfĂŒgen nicht ĂŒber ausgefeilte IT-Systeme oder Datenplattformen. Was sie am dringendsten brauchen, sind pragmatische, schlanke Lösungen, die ihren tatsĂ€chlichen KapazitĂ€ten entsprechen.
Praxisvorschlag zur Vereinfachung der EUDR
Angesichts der oben genannten komplexen Situation schlagen wir vor, Herkunftsangaben auf ein realistisches, aber dennoch wirksames Niveau zu beschrĂ€nken â nĂ€mlich auf Bundesstaaten bzw. Verwaltungsregionen (z. B. âParĂĄ, Brasilienâ statt einzelner GrundstĂŒckskoordinaten).
âą ISO-Codes fĂŒr Bundesstaaten existieren bereits und sind international anerkannt.
⹠Sie können leicht in IT-Systeme und Datenbanken integriert werden.
âą Diese Information ist in der Papierindustrie bereits gĂ€ngige Praxis und wird ĂŒblicherweise ĂŒber technische DatenblĂ€tter kommuniziert. Diese Information sollte auch fĂŒr andere Branchen keine erheblichen zusĂ€tzlichen Anforderungen darstellen.
âą Der Aufwand fĂŒr Unternehmen bleibt ĂŒberschaubar, wĂ€hrend dennoch eine aussagekrĂ€ftige Differenzierung der Herkunft möglich ist.
⹠Genetische oder Isotopentechnologie kann verwendet werden, um die Herkunftsregionen zuverlÀssig zu verifizieren.
âą FĂŒr Verbraucher sind Angaben wie âBundesstaat X (Land Y)â verstĂ€ndlich und nĂŒtzlich â deutlich einfacher zu verstehen als Koordinaten oder kryptische Registrierungsnummern.
âą Aus politischer und regulatorischer Sicht erfĂŒllt dies das Ziel der Transparenz und RĂŒckverfolgbarkeit, ohne kleine und mittlere Unternehmen zu ĂŒberfordern.